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WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD

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WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD, das Semi-Remake des 1970er-Serienkiller-Exploiters „Der Umleger“, haucht neues Leben in das Genre des Slasherfilms. Dabei erinnert er weniger an die rauhen US-amerikanischen Vorbilder als an raffinierte italienische Gialli.

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Charles B. Pierce, der Regisseur von „The Town That Dreaded Sundown“ (1976), sah sich selbst als ambitionierter Filmkünstler im Stile eines Orson Welles – so zumindest sein Sohn Charles B. Pierce Jr. in THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN (2014). Doch eigentlich sagt dieser kleine und für den Verlauf des Films eher unwichtige Satz im Remake mehr über dessen Macher selbst aus: wie einst Welles’ legendärer noir „Touch Of Evil“ beginnt auch WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD mit einer extrem langen, kunstvollen, verschlungenen Plansequenz, die mit scheinbarer Leichtigkeit zwischen Panorama und Nahaufnahme variiert. Dieses extreme Stilbewußtsein prägt dann auch den Rest des Films.

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Bild: Tiberius Film

Die Geschichte von WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD ist schnell zusammengefasst: Serienkiller mit Stoffmaske setzt eine kleine Stadt in Angst und Schrecken, die sechzig Jahre zuvor von einem ähnlichen Serienkiller aufgerüttelt wurde – und die zwischendurch zum Dreh- und Schauplatz eines von den Fällen inspirierten Films namens THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN wurde. Slasherfilm mit ein bisschen Meta-Gedöns – zehntausendfach gesehen. Was aber WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD hervorhebt, ist tatsächlich sein inszenatorisches Stilbewußtsein, um nicht zu sagen sein schierer Gestaltungswahn: extreme Farbsättigungen, gekippte Kameraperspektiven, der Wechsel zwischen langen Plansequenzen und assoziativen (fast „subliminalen“) Montagen, die artifizielle Lichtsetzung – sie alle sorgen für einen Augenschmaus aus tollen, stilisierten Bildern. Wenn die Darsteller (im Original) nicht Englisch sprächen und der Handlungsort nicht wie eine Retro-Kunstinstallation für Americana-Fetischisten aussähe, könnte man den Film glatt für einen Neo-Giallo halten, für einen Film, den man dem heutigen Dario Argento leider nicht mehr zutrauen kann. Die fast schon psychedelische Lichtsetzung erinnert an vergangene Großtaten des italienischen Meisters ebenso wie diese bizarren Pseudo-Point-of-Views, in denen die Kamera ein Eigenleben entwickelt.

„Il coltello, il trombone e la ragazza con le unghie in turchese“, wie der Film im Grunde auch hätte heißen können, orientiert sich thematisch dennoch ganz am US-Slasher der 1970er und 1980er Jahre. Angenehmerweise präsentiert er sich nicht als Werk eines eingebildeten Schnösels, der die Nase vor dem angeblich „veralteten“ Original rümpft, sondern eher als hochachtungsvolle Reimagination, als Variation: die Zitate sind deutlich, das Geschaffene soll trotzdem für sich selbst stehen (eine Gratwanderung, wie sie beispielsweise einst auch dem unterschätzten „Psycho 2“ gut gelang).
Kurz: ist vielleicht kein wahrhaftig origineller Film und sicherlich kein genretranszendierendes Werk, aber wenn alle Horror- und Serienkillerfilme heutzutage so aussehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort.

von David Leuenberger

7.5

Film

75/10

    • - Verleih: Tiberius Film
    • - Regie: Alfonso Gomez-Rejon
    • - Produktionsland/-jahr: USA 2014
    • - Laufzeit: ca. 86 Min.
    • - FSK: freigegeben ab 16

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