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DIE RÄUBER

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Puristische Liebhaber von Friedrich Schillers Sturm-und-Drang-Theaterstück werden im Angesicht von DIE RÄUBER Amok laufen – aber auch Zuschauer, die keine erbsenzählende Literaturadaptionsfetischisten sind, werden wenig Freude an dem unausgegorenen Mix aus Literaturadaption und Thriller haben, der leider Maximilian Schells letzter Film wurde.

von David Leuenberger

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Wo fangen wir am besten an? Bei den Problemen oder bei den Defiziten? Vielleicht zunächst mit der Feststellung, dass die luxemburgisch-deutsch-belgische Produktion DIE RÄUBER Schillers Theaterstück um die Intrigen der Familie Moor in der Welt der Hochfinanzen und Großbanken ansiedelt. Und schon beginnt das Problem: DIE RÄUBER ist ein Film, der irgendwie die Schiller-Vorlage adaptieren, diese irgendwie auch für heute „relevant“ machen und dabei irgendwie auch einen spannenden Gangster- und Heist-Thriller liefern möchte. Mit diesen drei diffusen Aufgaben gibt sich der Film – trotz zweier Regisseure und zweier Drehbuchautoren – vollkommen überfordert.

Nun, die Schiller-Adaption sieht meistens so aus, dass hochseriös dreinblickende Männer in Maßanzügen durch Luxusbüros stolzieren und sich in gestelzten, theaterhaften Dialogen des späten 18. Jahrhunderts unterhalten – was in dieser „postmodernen“ Umgebung meistens extrem lächerlich wirkt. Dialogpassagen wörtlich aus einem Theaterstück zu übernehmen heißt noch lange nicht „adaptieren“ – gemeint: in ein ganz anderes Kunstmedium.

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Die Gang ist hinter dem Schwarzgeld her. (Quelle: farbfilm verleih)

Noch mehr in die Bredouille bringt sich DIE RÄUBER bei dem Versuch, die Vorlage auf „aktuell“ und „relevant“ zu bürsten. Mittlerweile müsste sich doch herumgesprochen haben, dass so etwas in der Regel wenig Erkenntnisgewinn oder gar ästhetische Offenbarungen bringt, sondern eher wie ein unmotivierter Schüleraufsatz in der zehnten Klasse wirkt („Die Räuber ist heute noch total aktuell, weil Kapitalismuskritik blablabla“) – und dazu auch noch ein klassisches Theaterstück zum ideologischen Stichwortgeber degradiert. Nein, DIE RÄUBER geht wirklich den einfachsten Weg und „modernisiert“ lediglich die Fassade: die neuzeitlichen Banditen von damals sind moderne Bankräuber und die dekadenten Adeligen Finanzmanager geworden – gähn! Mit den wirklich zentralen Themen, die Schiller mal auf die Bühne brachte – Fragen der moralischen Ökonomie von Verbrechen zum Beispiel – weiß der Film kaum etwas anzufangen. Viel zu sehr ist er damit beschäftigt, in langen Einstellungen mit langsamen Kamerafahrten das Allgemeingut zu bestätigen, wonach moderne schicke Büros der Finanzwelt trist und kalt sind und sich dabei seiner eigenen Bedeutungsschwangerschaft zu vergewissern.

Das alles wirft dem Film auch einen Knüppel zwischen die Beine bei dem nur halbherzigen Versuch, als Thriller zu funktionieren: irgendwie will er auch ein bisschen spannend sein, aber nur wie ein „schnöder“ Reißer möchte er dann irgendwie doch nicht wirken. Diesen Limbo zwischen Schiller-Adaption und Genre-Kino begeht DIE RÄUBER mit einem sehr unentschiedenen Schritt – und fällt gnadenlos auf die Schnauze. Übrig bleibt nur ein treibender, minimalistischer Elektroscore, der wirklich Laune macht und so klingt, als wäre der frühe John Carpenter für ein paar Stunden im Tonstudio vorbeigekommen, um auf dem Synthesizer rumzuklimpern. Und die traurige Erkenntnis, dass ausgerechnet dies der letzte Film des großen Maximilian Schell ist.

Die Räuber

Die Räuber
2.5

Film

25/10

    • - Verleih: farbfilm verleih
    • - Regie: Pol Cruchten, Frank Hoffmann
    • - Produktionsland/-jahr: Luxemburg/Deutschland/Belgien 2015
    • - Laufzeit: ca. 84. Min.
    • - FSK: freigegeben ab 12 Jahren

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