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CHAPPIE – Leckere SciFi-Kost im Kino

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Neill Blomkamp dürfte den meisten deutschen Filmfans seit dem Jahr 2009 bekannt sein. Damals kam mit „District 9“ sein erster abendfüllender Spielfilm in die Kinos. Der bescherte dem Südafrikaner gleich ein ziemlich euphorisches Feedback von Kritikern und Publikum mit vier Oscar-Nominierungen und einem weltweiten Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar. Thema des Films: die schwierige Situation einer Gruppe von Außenseitern im Johannesburg der Zukunft. Wenig verwunderlich, dass Blomkamp das Thema nach dem damaligen Erfolg für seinen neuen Streich wieder aufgreift. Waren es bei „District 9“ Außerirdische, so wählt er in „Chappie“ jetzt eine andere klassische Gruppe des Science-Fiction-Films: Roboter. Genauer gesagt: Roboter, die in der Zukunft die Arbeit einer ganzen Berufsgruppe übernehmen – als Polizisten. Moment, Roboter als Polizisten?! Das kennen wir doch! In der Tat sind einige Anleihen bei Paul Verhoevens „RoboCop“ (1987) und Alex Proyas‘ „I, Robot“ (2004) unübersehbar. Dazu gleich mehr.

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Im Jahr 2016 sind für Kriminelle in Johannesburg schwere Zeiten angebrochen. Daran hat die Waffenfirma Tetravaal großen Anteil: Dank des Einsatzes ihrer intelligenten, kompromisslosen Polizeiroboter, der sogenannten „Scouts“, kann gegen Drogenkartelle und Gangsterbanden zunehmend besser vorgegangen werden. Die Unterwelt reagiert darauf mit besonders schwerer Bewaffnung, z.B. in Form von Sprengkörpern und Panzerfäusten. Bei einem Einsatz wird der Android mit der Nummer 22 (Sharlto Copley) so schwer getroffen, dass eine Reparatur nicht rentabel erscheint. Auf Anordnung des jungen und ambitionierten Chefingenieurs Deon Wilson (Dev Patel) soll er deshalb verschrottet werden. Als Wilson aber abends im heimischen Arbeitszimmer endlich die ersehnte Entwicklung der perfekten künstlichen Intelligenz gelingt, beschließt er, dem zerschlissenen Metallkorpus des ausgemusterten Roboters – entgegen der Anweisung von CEO Michelle Bradley (Sigourney Weaver) – seine revolutionäre Software aufzuspielen. Auf dem Weg nach Hause wird er jedoch von den Gangmitgliedern Ninja, Yolandi (Ninja und Yo-Landi Visser

Chappie Kinostart Sony

Chappie geht auf Streife (Bildquelle: Sony Pictures)

von der südafrikanischen Kultband „Die Antwoord“) und Amerika (Jose Pablo Cantillo) gekidnappt und in deren verfallene Fabrikruine gebracht. Dort erweckt Deon die Robotereinzelteile zum Leben. Da der Android zunächst lediglich über die kognitiven Fähigkeiten und die Schüchternheit eines Kindes verfügt, taufen ihn Ninja und Yolandi „Chappie“. Chappie lernt allerdings schnell und wird zudem unfreiwillig mit den weniger schönen Seiten des Lebens konfrontiert. Eine davon ist der ihm entgegenschlagende Hass von Deons Ingenieurskollegen Vincent Moore (Hugh Jackman mit besonders fiesem Vokuhila). Der hält künstliche Intelligenz für das Werk des Teufels und setzt stattdessen auf einen von ihm selbst gesteuerten, schwer bewaffneten Riesenroboter. Klar, dass ein Aufeinandertreffen zwischen ihm und Chappie unvermeidlich ist…

Es knallt, es wummst, es dröhnt. „Chappie“ ist in visueller wie auditiver Hinsicht ein typischer Actionfilm. Kameramann Trent Opaloch gebührt dementsprechend großer Respekt, da er es versteht, nicht nur die krachenden Actionsequenzen, sondern besonders auch die ruhigen, „kleinen“ Szenen, z.B. bei der Erweckung Chappies, bildgewaltig und trotzdem in Einklang mit dem formidablen Set-Design einzufangen. Etwas anders sieht es indes beim Score von Hans Zimmer aus. Hier ergibt sich nicht selten das Gefühl, dass das alles doch etwas zu viel des Guten ist. Mitunter bekommt man den Eindruck, als müsste jede Kamerafahrt über die Wolkenkratzer Johannesburgs, jedes fahrende Auto mit einem krawallartigen Soundteppich „beschossen“ werden.  Das ist schade, weil sich die Songs der südafrikanischen Rave-Rap-Combo „Die Antwoord“, die einen großen Teil des Soundtracks ausmachen, durchaus stark in die Szenerie der quietschbunt besprühten Wände, Dosen und sogar Maschinengewehre der Fabrikruine einfügen, in der viele Szenen des Films spielen.
Regisseur Blomkamp versucht all das inszenatorisch zusammenzuhalten, was ihm nur teilweise gelingt. Gerade im letzten Drittel des Films ergeben sich fast schon klamaukartige Szenen, wenn z.B. Vincent Moores Riesenroboter als eine Art fliegender Panzer zum finalen Showdown eingeschwebt kommt, dabei stakkatoartig um sich ballert und sogar für unnötige Splatter-Effekte sorgen. Toll sind aber die Szenen, in denen Chappie z.B. lernt, wie er ein Bild malen kann. Hier macht sich vor allem das grandiose Motion-Capturing der Hauptfigur bezahlt. Wie es den Animateuren und CGI-Experten gelingt, selbst kleinste Gefühlsregungen des Roboters trotz nur rudimentär vorhandenen Gesichts sichtbar zu machen, ist das eigentliche Highlight des Films.

Chappie Kino Sony Sharlto Copley

Chappie ist auch gut zu Tieren (Bildquelle: Sony Pictures)

Bei der Story bedienen sich Blomkamp und Co-Autorin Terri Tatchell zunächst schamlos bei „RoboCop“ und „I, Robot“. Die Polizei setzt auf Roboter, die ohne „störendes“ Gewissen einfach ihren Job tun (und damit sehr erfolgreich sind). Dann kommt es durch menschliche Neugier zum Überschreiten der moralischen Grenzen und der Erschaffung des „perfekt menschlichen“ Androiden, mit dem sich der Zuschauer identifizieren können soll. Und dieser wird schließlich gejagt, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf. Lediglich die Konsequenz, mit der Blomkamp  seine Geschichte hier zu Ende erzählt, bietet einen neuen Aspekt (welcher aber zugegebenermaßen beeindruckend ist). Wichtig aber: Die bekannte Grundidee des Films funktioniert gut und trägt sich mühelos über die durchweg unterhaltsamen zwei Stunden.

Darstellerisch ist „Chappie“ insgesamt auf mäßigem Niveau. Herausragend ist dabei freilich Sharlto Copley, der seinem CGI-Charakter so viel Leben einhaucht, dass es einem den Atem verschlägt. Dev Patel gefällt als nerdiges Ingenieursgenie mit dem Hang zum Idealismus. Und die beiden „Die Antwoord“-Musiker Yo-Landi Visser und Ninja machen ihre Sache als schräge „Mommy“ und „Daddy“ von Chappie durchaus ordentlich und sorgen außerdem für den einen oder anderen Schmunzler, wenn sie Chappie z.B. mit dicken Klunkern und Tribals im Gangster-Style versehen. Schwach sind dagegen die Figuren von Sigourney Weaver und Hugh Jackman. Während Weaver mangels Screentime keine Wirkung entfalten kann, wirkt Jackman in der ungewohnten Rolle des Bösewichts mit australischem Akzent mitunter etwas gelangweilt, sodass seine seltsame Frisur bisweilen das Auffälligste an ihm ist.

Fazit: „Chappie“ ist ein unterhaltsames Sci-Fi-Action-Drama, das toll fotografiert ist und seine Stärken vor allem in den ruhigen Szenen mit Fokus auf seinen fantastisch animierten Protagonisten aus Blech hat. Die Geschichte ist nicht neu, aber funktioniert und bietet am Ende sogar eine spannende und bedenkenswerte Pointe. Der übertrieben wummernde Score, die eine oder andere klamaukig geratene Szene und der nicht durchweg überzeugende Cast trüben den Gesamteindruck zwar etwas, sollten einen kurzweiligen Kinoabend aber nicht verhindern.

 

Chappie

Chappie
7

Film

70/10

    • - Verleih: Sony Pictures
    • - Regie: Neill Blomkamp
    • - Produktionsland/-jahr: Mexiko, USA 2015
    • - Länge: 120 Minuten
    • - FSK: freigegeben ab 12 Jahren

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