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A MOST VIOLENT YEAR

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Manchmal lassen sich Zeiten und ihre gesellschaftlichen Entwicklungen am allerbesten beurteilen, wenn man raus auf die Straße geht und sich dort ein wenig umschaut. In J.C. Chandors „A Most Violent Year“ sehen wir die frühen 1980er in einem New York, in dem es neben wenigen herrschaftlichen Villen vor allem triste Industriebaracken, Bauplätze und von wirren Graffitis übersäte U-Bahnen gibt. Das ist definitiv kein Umfeld für Romantiker, sondern für Kämpfer, die trotz (oder wegen?) härtester Widerstände mit eisernem Willen alles dafür tun, ihren Traum leben zu können.

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So einer ist Abel Morales (Oscar Isaac). Der Immigrant hat sich mit seiner Frau und Geschäftspartnerin Anna (Jessica Chastain) über Jahre ein prosperierendes Heizölunternehmen mit einer respektablen Flotte grüner LKWs geschaffen. Genau das ist den Alteingesessenen der Branche ein Dorn im Auge. Immer wieder werden Lastwagen auf offener Straße von brutalen Unbekannten entführt und die Fahrer wenig zimperlich aus ihren Kabinen befördert. Klar, dass Angst und Chaos zunehmen und über Möglichkeiten des (Selbst-)Schutzes diskutiert wird. Abel versucht das Problem zu verdrängen, denn ausgerechnet jetzt steht er vor einem wegweisenden Deal…

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Mit „A Most Violent Year“ gelingt Chandor etwas, woran sich viele ambitionierte Regisseure  oft vergeblich versuchen: ein Film, der gleichermaßen gesamtgesellschaftliche Probleme aufzeigt und deren Auswirkungen auf das intime familiäre Umfeld reflektiert. Dass er sich bei diesem Vorhaben nicht verzettelt, liegt vor allem an drei Dingen: Einer fokussierten, sehr dichten Erzählung, einem sensationellen Setdesign, das die frühen Achtziger in jeder Minute greifbar macht und nicht zuletzt einer Darstellerriege, die wirklich alles aus dem Stoff herauskitzelt. Besonders begeistern können hierbei Hauptdarsteller Oscar Isaac und dessen Filmgefährtin Jessica Chastain. Während Ersterer mit vollem Körpereinsatz den an allen Fronten kämpfenden Geschäftsmann gibt, ist Letztere die intelligente und hintergründige Powerfrau, vor der man mit und ohne Waffe in der Hand bisweilen eine Heidenangst hat. Fast ist es manchmal schon etwas zu viel des Guten, wie sich dieses Alpha-Ehepaar im Büro oder im heimischen Wohnzimmer „beharkt“, aber es sorgt in jedem Fall dafür, dass praktisch jede Szene mit einer immensen emotionalen Spannung aufgeladen ist. Was „A Most Violent Year“ schließlich zum Genre-Meisterwerk erhebt, sind die perfekt komponierten Bilder, die in einzelnen Einstellungen ganze Szenen und vertrackte emotionale Konstellationen zusammenfassen.

Fazit: „A Most Violent Year“ taugt zum modernen (Genre-)Klassiker und ist ein absolutes Must-See für alle Freunde anspruchsvollen Kinos.

von Christoph Matiss

A Most Violent Year

A Most Violent Year
10

Film

100/10

    • - Verleih: Square One / Universum
    • - Regie: J.C. Chandor
    • - Produktionsland/-jahr: USA 2014
    • - Laufzeit: ca. 125 Min.
    • - FSK: freigegeben ab 12 Jahren

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